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Oldenburg

Ragnar Kjartansson: Satan is Real

13.10.2022
Edith-Russ-Haus für Medienkunst

in 26121 Oldenburg

Ein nackter Mann ist bis zur Hüfte in eine Wiese in einem Reykjavíker Park eingegraben. Es ist ein Bilderbuchtag, mit blauem Himmel und weißen Wolken, allein der Körper von Ragnar Kjartansson entspricht so gar nicht den gängigen Schönheitsidealen. Er schrummelt lakonisch auf seiner Gitarre und singt über eine Stunde lang in ständiger Wiederholung einen einzigen Satz: „Satan is real – he’s working for me“ (Satan ist real, er arbeitet für mich). Ab und zu kommen Kinder vorbei, sie essen Eis, schlagen Rad und setzen sich vor den Sänger; offensichtlich nur wenig beeindruckt von seiner bizarren Performance. Kjartanssons Eltern waren Schauspieler, als Kind verfolgte er oft ihre Proben. Es faszinierte ihn, wie sich in der beständigen Wiederholung der Sinn eines Satzes verändert. Mantraartige Wiederholungen wiederum kannte der sehr religiöse Kjartansson auch aus der Kirche. Die Zeile, die er singt, ist eine Abwandlung eines Gospels der Louvin Brothers aus dem Jahr 1959: „Satan ist real und wirkt im Geiste/Du kannst ihn jeden Tag in dieser Welt sehen und hören/Satan ist real und wirkt mit Macht/Er kann dich verführen und vom rechten Pfad abbringen.“ In seiner Performance dreht Kjartansson das traditionelle Machtverhältnis um, Satan wird sein Befehlsempfänger. Die Absurdität und Harmlosigkeit der Szenerie pulverisiert die jahrtausendelange Angst, die die Menschen vor dem Leibhaftigen hatten.
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