Mehr als ein Stück Metall im Pferdemaul
Mini-Tagung im Deutschen Pferdemuseum widmet sich historischen und modernen Gebissen
Was erzählt ein Gebiss über die Beziehung zwischen Pferd und Mensch? Welche Vorstellungen von Reitkunst, Ausbildung und Kontrolle spiegeln sich in historischen Gebissen wider? Wurden die aufwändigen Gebisse aus historischen Büchern tatsächlich genutzt? Und wie lässt sich das Wissen über die Wirkung von Gebissen im Pferdemaul in die heutige Praxis übertragen?
Diesen und weiteren Fragen widmet sich am 7. November 2026 die erste Mini-Tagung des neuen Veranstaltungsformats „Fokus Pferd – Geschichte, Wissenschaft und Praxis im Dialog“ im Deutschen Pferdemuseum.
Unter dem Titel „Schwerpunkt Gebisse: Zwischen Repräsentation, Wirkung und Pferdewohl“ soll die Veranstaltung historische Perspektiven, wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen in den Blick nehmen und zum Austausch einladen. Drei Expertinnen beleuchten das Thema dabei aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Prof. Dr. Stefanie Stockhorst spricht in ihrem Impulsvortrag über „Historische Gebisse zwischen Repräsentation und Rhetorik“. Dr. Mariam Selge stellt in ihrem Beitrag die Frage, ob Gebisse in der frühneuzeitlichen Pferdeausbildung als Mittel brutaler Zwangsausübung oder subtiler Kommunikation verstanden wurden. Den Bogen in die Gegenwart schlägt Ilka Stehn in dem dritten Vortrag mit einem Blick auf Funktion und Wirkung von Gebissen in der modernen Reiterei.
Im Anschluss an die Impulsvorträge werden die unterschiedlichen Perspektiven in einer ausführlichen Diskussion zusammengeführt. Auch in der Pause bleibt Zeit für Austausch und eigene Entdeckungen: Ausgewählte historische Objekte zum Thema können näher betrachtet werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, das Museum bei einem individuellen Rundgang zu erkunden.
Mit den Referentinnen konnte das Deutsche Pferdemuseum ausgewiesene Expertinnen zu dem Thema gewinnen: Prof. Dr. Stefanie Stockhorst von der Universität Potsdam hat mit ihrer 2020 erschienen Kulturgeschichte der Reitlehren einen vielbeachteten Beitrag zum Verständnis der hippologischen Literatur geliefert. Auch das spezielle Genre der so genannten „Bissbücher“ hat sie in den letzten Jahren erforscht. Die Historikerin Dr. Mariam Selge hat sich in ihrer 2024 erschienenen Doktorarbeit eingehend mit der historischen Reitkunst und auch dem darin enthaltenen Diskurs zu Gebissen auseinandergesetzt. Mit ihrer Arbeit hat sie neue Zugänge zu den Reitlehren erschlossen.
Für die praktische Wirkung der Gebisse im Pferdemaul ist Ilka Stehn mit ihrer Expertise dabei. Sie ist klassisch-hippologische Ausbilderin für Pferde, Zirzensik-Trainerin und Gebisskunde-Expertin.
Mit den „Fokus Pferd-Tagungen“ möchte das Museum ab sofort einen Rahmen schaffen, in dem historisches und aktuelles Wissen mit Erfahrungen aus der Praxis zusammentrifft. Gemeinsam mit dem Publikum können so Fragen rund um das Pferd aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden.
Das Format richtet sich ausdrücklich nicht nur an ein Fachpublikum. Die Veranstaltung möchte Einblicke in historische und aktuelle Diskurse ermöglichen, Zusammenhänge verständlich vermitteln und Raum für Fragen und Austausch schaffen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Angesprochen sind alle, die sich für Pferde, ihre Geschichte und den Umgang mit ihnen interessieren.
Die Veranstaltung findet am Samstag, den 07.11.2026 in der besonderen Atmosphäre der Hippologischen Bibliothek im Deutschen Pferdemuseum statt. Sie beginnt um 14.00 Uhr und dauert ca. 4 Stunden. Die Teilnahmegebühr beträgt regulär 59 € pro Person. Für Mitglieder des Museumsvereins sowie des Pferdesport Deutschland Clubs gilt ein Vorteilspreis von 49 € pro Person. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung unter museumsteam@dpm-verden.de ist daher erforderlich. Weitere Infos unter www.dpm-verden.de
