03.11.2021
Oldenburgisches Staatstheater - Großes Haus

in Oldenburg

19:30

Im April 1763 waren die Proben zu Rameaus letzter Oper ‚Les Boréades‘, die – wie immer mit viel Tanz – im Rahmen einer exklusiven königlichen Feierlichkeit uraufgeführt werden sollte, in vollem Gange, als sie unvermittelt abbrachen und das Werk für über zwei Jahrhunderte in Archiv-Tiefen versank. Über die möglichen Gründe wurde viel spekuliert: Gab es unlösbare Besetzungsprobleme? Legte Madame Pompadour ihr Veto ein? Oder hatte gar die Zensur ein Machtwort gesprochen? Letzteres scheint plausibel, wenn man das vordergründig galant und harmlos wirkende Libretto genauer liest. Dann nämlich entpuppt es sich als Parabel auf die Aufklärung, als Kampfansage an alle Tyrannen dieser Welt sowie als visionäre Antizipation (nicht nur) der Französischen Revolution und des Sieges von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Die Oldenburger Inszenierung – das deutsche Bühnendebüt von Rameaus Opus magnum – spürt der ungebrochenen Aktualität dieses besonderen Vermächtnisses nach, für dessen musikalische Authentizität, wie schon bei ‚Les Paladins‘, der französische Rameau-Spezialist Alexis Kossenko bürgt, der 2021 in das Ehrenkomitee der Société Rameau aufgenommen wurde.
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