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Oldenburg

Lebenswege – Hayat Yolları

23.12.2021
Focke Museum

in Bremen

Die Ausstellung Zwölf Vitrinen – zwölf Leben: Ausweise und Arbeitsverträge, Fotografien vom Arbeitsplatz und aus dem Wohnheim, Aufnahmen von der Familie und den Reisen in die Türkei erzählen die Lebensgeschichten der Männer und Frauen. Oftmals kamen sie ohne ihre Angehörigen in ein fremdes Land, dessen Sprache sie nicht verstanden. Heimweh und die Trennung von den Eltern, manchmal auch von den Ehepartnern und Kindern nahmen sie in Kauf, um ihrem Nachwuchs einmal ein besseres Leben zu ermöglichen. Dafür arbeiteten manche von ihnen auch unter ihrem Ausbildungsniveau, weil sie in Deutschland mit einfacheren Tätigkeiten mehr Geld verdienen konnten als mit ihren Berufen in der Türkei. Ausstellung und Buch räumen mit einigen Vorurteilen auf: Es kamen eben nicht nur ungelernte Kräfte zu uns. Und es waren nicht nur Männer. Türkische Frauen arbeiteten in Bremen bei Hachez, aber auch als Schweißerinnen auf der Vulkan-Werft. Obwohl die deutsche Wirtschaft auf die Hilfe der ausländischen Kräfte angewiesen war, behandelten nicht alle Arbeitgeber sie gut. Manchen wurden die Pässe abgenommen, die Verhältnisse in den Wohnheimen waren teils unwürdig und das Arbeitseinkommen oftmals gering. Viele wollten ursprünglich nach einigen Jahren zurück in die Heimat gehen, doch sie blieben dort, wo ihre Kinder aufwuchsen und heimisch wurden. Der Türkei fühlt sich die erste Generation noch immer eng verbunden, aber ist sie noch Heimat? Und ist Deutschland ihnen zur Heimat geworden? Schwierige Fragen. Die Antworten auf die Frage, wo die Heimat ist, gehören zu den anrührendsten Passagen des Buches. 60 Jahre nach der Unterzeichnung des Anwerbeabkommens ist es den Menschen türkischer Herkunftsgeschichte trotz widriger Umstände gelungen, Teil dieses Landes zu werden. Was die Ebene der alltäglichen zwischenmenschlichen Begegnungen sowie die Verflechtung von Lebenswegen betrifft, hat Deutschland heute zu keinem anderen Land so enge Verbindungen wie zur Türkei. „Dieses Wissen und die Anerkennung der Lebensleistung der türkeistämmigen Bürger und Bürger im kollektiven Gedächtnis zu verankern, ist das Ziel unserer Ausstellung“, sagt Dr. Bora Akşen, Kurator und Herausgeber des Buches. Die Geschichte der Arbeitsmigration in Bremen wird auch Teil der neuen Sammlungsausstellung werden, die das Focke-Museum 2026 eröffnen wird.
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