24.02.2023
TheOs

in Wilhelmshaven

18:00

Lisbeth Reimers und Reinhard Peters leben im selben Haus. Doch erst Frau Reimers nächtlichen Anrufe beim Notruf, in welchen sie sich über Lärm, der angeblich aus ihrer eigenen Wohnung käme, beklagt, eröffnen den nachbarschaftlichen Austausch der beiden. Reinhard Peters ist Polizist und wird von seinen Kolleg*innen dazu herangezogen, die Situation zu klären. Es entspinnt sich ein wahnwitziger Dialog. In einem spielerischen Miteinander tischt Elisabeth Reimers ihrem Nachbarn, der Motivik des „falschen Hasens“ folgend, mannigfaltige Möglichkeiten und Eventualitäten auf, weshalb sie den Notruf kontaktiert haben könnte. Peters nimmt die Ermittlungen auf und versucht die Beweggründe Lisbeth Reimers in Erfahrung zu bringen. Ist sie einsam? Sehnt sie sich nach Aufmerksamkeit? Oder ist sie womöglich senil? Rasch wird ihm klar, dass er es mit einer gewieften Gesprächspartnerin zu tun hat, die ihn und sein Leben hinterfragt und ihn dazu antreibt, sich selbst zu reflektieren. Vielleicht ist das Leben von Reinhard Peters viel einsamer als das der Lisbeth Reimers? Die vermeintlich schwächere, ältere Frau drängt den starken und selbstsicher auftretenden Ordnungshüter in die Enge. „Warum sollten Sie potenziell weniger einsam sein können als ich? Nur weil ich älter bin? Was sind das für Vorurteile?“ Diese Statusverschiebung sorgt dafür, dass Frau Reimers sich als vermeintliche Wahrheitshüterin inszeniert. Letztlich stellt sich die Frage: Wer braucht hier eigentlich wen? Einsamkeit ist nach Einschätzung der Stiftung Patientenschutz „die größte Volkskrankheit in Deutschland“. Vorstand Eugen Brysch rät: „Drücken wir den Klingelknopf. Das kann der Schlüssel zu einer Verbindung von Mensch zu Mensch sein.“ Reinhard Peters drückt, den vermeintlichen Notrufen folgend, den Reimer’schen Klingelknopf und bricht so – zumindest für einen Abend, eine Nacht – die Einsamkeit der beiden Protagonist*innen auf.
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