Anlässlich der 9. Triennale der Photographie widmet sich das PHOXXI, das temporäre Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg, mit Akosua Viktoria Adu-Sanyah einer neuen Generation fotografischer Künstler*innen, die sich heute prozessoffen und raumgreifend mit der analogen Farbfotografie auseinandersetzen, ihre sensiblen Oberflächen erforschen und ihre emotionalen Frequenzen aktivieren. Dabei ist die Dunkelkammer mehr als nur ein Ort fotografischer Produktion: Sie wird zu einem Raum der Reflexion, in dem Erfahrungen, Beziehungen und Erinnerungen erst verarbeitet, umgeformt und (an)greifbar werden, während sie noch latent sichtbar sind.
Die deutsch-ghanaische Künstlerin Akosua Viktoria Adu-Sanyah (*1990) ist für ihre großformatigen, raumgreifenden und stetig in Prozess begriffenen analogen Arbeiten bekannt, in denen sie mit manuellen und chemischen Experimenten die Grenzen der Fotografie verschiebt. »In der Fotografie interessiert mich das Auflösen von Hierarchien im Umgang mit Material«, sagt die Künstlerin über ihre körperliche und räumliche Praxis. Die nicht fixierbaren Zustände im fotografischen Prozess, wie sie sich sonst nur in der Dunkelkammer abbilden, überträgt Adu-Sanyah in den Ausstellungsraum und bringt uns so in Kontakt mit dem Ungesehenen, der Prozesshaftigkeit der Fotografie.
In Auseinandersetzung mit historischen Bildern aus fotografischen Archiven vom Geburtsort ihres Vaters im heutigen Ghana eröffnet Adu-Sanyah auf der Suche nach einer alternativen Erzählung neue Räume, die Himmel und Baumkronen aus ihren kolonialen Kontexten herauszulösen. Es ist ein Arbeiten »mit dem und gegen das Archiv«, wie es die amerikanische Schriftstellerin Saidiya Hartman beschreibt. In Hamburg präsentiert die Künstlerin etwa 30 neue großformatige Arbeiten, die sich installativ an und gegen den Ausstellungsraum lehnen
Kuratiert von Nadine Isabelle Henrich, Kuratorin des Hauses der Photographie.
