Inzwischen ist es Tradition, dass Helmut Debus in der dunklen Jahreszeit nach Seefeld kommt, um mit seinen plattdeutschen Balladen etwas Wärme und Sehnsucht ins Kulturzentrum zu bringen. Gemeinsam mit seinem Sohn Jakob wird er auch diesmal wieder das Publikum verzaubern. Ihr solltet euch frühzeitig einen der begehrten Plätze sichern, denn erfahrungsgemäß sind die Konzerte der beiden schnell ausverkauft.
1976, vor fünfzig Jahren, ist Helmut Debus erste LP erschienen. Ein neues Album, das 22te, erscheint voraussichtlich im kommenden Jahr. Im Konzert am 4. Dezember werden bereits alle neuen Songs zu hören sein. Mit den Aufnahmen, das hat er nach so vielen Jahren gelernt, will er sich Zeit lassen. Altersmilde ist von ihm nicht zu erwarten. Seine Sprache wird, je älter er wird, immer eigensinniger.
„´n Boot boen“ soll das neue Album heißen – ein weiterer Höhepunkt in seinem musikalisch-poetischem Schaffen. In den neuen Songs gewinnt Helmut Debus in seiner Dichtung eine neue Dimension hinzu. Die Sprache hat Selbstbewusstsein, ist sein sprachliches Widerstandsnest, sein sprachlicher Sicherheitsabstand. Sie reißt einem das Dach über dem Kopf ab, das Dach der Gewohnheit. Getragen von seiner unverwechselbaren Stimme spricht die Musik zu uns wie zu einem Freund, ist nahe und vertraut. Die Grundstimmung ist nie pessimistisch oder resignativ. Die Songs machen Mut, Widersprüche auszuhalten und auszuleben. Sie antworten mit Wärme, Schönheit und Zukunft. Und manchmal ist einfach nur Sommer in den welthaltigen Liedern, die von Liebe und Nächten erzählen – vor und hinter dem Deich. Von der Sehnsucht nach mehr Leben. Debus letztes Album „Angst leggt di slapen“ erhielt den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“. In der Begründung des Autors und Musikjournalisten Jochen Arlt hieß es: „Seinesgleichen ist nirgendwo zu hören von Rostock bis Garmisch. Das gilt auch für dieses Album. Ein Meisterwerk. (…) Debus steht längst in einer Reihe mit Mey, Wader, Wecker oder Wenzel.“ Und der „Rolling Stone“ schrieb: „Debus bereichert seit einem halben Jahrhundert die deutsche Musikszene mit seiner niederdeutschen MundartSongpoesie. (…) Debus Stimme schnarrte noch nie so dunkel und vom Seegang schwermütig geschüttelt.“ „Sing wie du willst, aber erzähl mir kein´ Scheiß“, hat mal jemand zu ihm gesagt. „Wahre Sätze finden, das will ich“, hat Debus ihm geantwortet. An das Wunderbare im Unbekannten glauben, Nähe und Ferne verbinden.“ Helmut Debus arbeitet sich immer noch voran – in seinem Boot gegen die Strömung.
Ohne Getue, alte norddeutsche Schule.
Helmut Debus singt in der „Geheimsprache Plattdeutsch“, wie er es nennt. Er hat der Kunst und der Küste mit seinen Liedern einen Kosmos an poetischen Bildern und Figuren geschenkt. Seine Lieder sind Gedichte mit Melodien.
Für seine Kunst wurde er vielfach ausgezeichnet: mit dem Kulturpreis der Oldenburgischen Landschaft, dem Literaturpreis der Stadt Kappeln, dem Bad Bevensen Preis, dem Niedersächsischen Künstlerstipendium und dem GEMA Autorenpreis. Viele seiner Songs waren unter den Top Ten der Liederbestenliste.
