Barock mit Muskelkraft: Ein Kampf zwischen Imponiergehabe und Zerbrechlichkeit
In ihrem Programm *Macho’s* begibt sich das Ensemble Pynarello in die raue, ungeglättete Welt der südeuropäischen Barockmusik – auf der Suche nach dem „Macho“ und dem „Anti-Macho“. Sind „Machos“ immer Männer? Kann ein Macho auch sensibel sein? Schlummert in jedem von uns ein Macho – und lässt sich überhaupt etwas dagegen tun? Jedes Klischee wird hier unter die Lupe genommen, hinterfragt und spielerisch aufgegriffen. Das Konzert entfaltet sich als ein großes Kräftemessen zwischen Musikern, einer Breakdancerin und Komponisten, bei dem jeder um seinen eigenen Raum kämpft.
Natürlich umfasst das Programm „muskulöse“ Musik von virtuosen, zu Macho-Allüren neigenden Komponisten wie Vivaldi und Tartini; doch Jeffrey Bruinsma, Geiger und Komponist bei Pynarello, erkundet in einer eigens geschriebenen Ouvertüre den „Anti-Macho“. Die Cellistin Lidy Blijdorp widmet sich der sensiblen Seite des Machismo: Sie präsentiert spezielle Cello-Bearbeitungen einiger der ergreifendsten Arien, die je komponiert wurden – etwa von Barbara Strozzi, einer der ersten Frauen, die sich in einer von Männern dominierten Zeit als eigenständige musikalische Schöpferin behauptete. Und natürlich darf auch der ultimative „Macho“-Tanzstil nicht fehlen: Die in Utrecht lebende Breakdancerin Neo Jansen beweist, dass Barockmusik ebenso viel Kampfgeist in ihr weckt wie die Musik, zu der sie sonst tanzt. Pynarello verwandelt Werke von Komponisten wie De Murcia und Locatelli in waschechten Hip-Hop. Was als Hahnenkampf beginnt, entwickelt sich zu einem großen, ausgelassenen Fest.
